Zur Erinnerung. Heute ist der Pangea Day. In Berlin gibt es Public Viewings in einer Bar namens „Kapelle“ am Zionskrichplatz 22-24 und im Gebäude der Bertelsmann-Stiftung, Unter den Linden 1, letztere ist allerdings nicht kostenlos. Man kann das vierstündige Programm aber auch per Stream verfolgen. Um 20:00 Uhr CEST geht es los.
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Pangea Day
Ich hatte den Pangea Day neulich ja schon einmal erwähnt. Leider ist die Beteiligung in Deutschland eher verhalten, na gut, man hört ja bisher auch noch nicht soviel davon. Es gibt jetzt aber einen YouTube-Film, der den Gedanken hinter der Aktion sehr konkret veranschaulicht. Den hier:
Ein neues Weblog!
Ich habe gerade einen neuen Blog gestartet! Ich habe das für Euch getan, denn der Blog hier wird jetzt viel spannender werden. Achso: Wer kommt alles mit zu Twitter?
„The first step to world peace is for people to meet each other.“
Der Titel besteht aus einem Zitat von Jehane Noujaim, einer jungen Dame, die sich u.a. für den Weltfrieden engagiert. Um diesem ein Stück näher zu kommen, hat sie ein Projekt entwickelt, bei dem wir – also wir Menschen – uns näher kommen sollen. Das wird möglich gemacht, indem wir Menschen, und zwar so viele wie möglich von uns und an so vielen Orten wie möglich, gleichzeitig eine Reihe von Kurzfilmen sehen, über Fernsehen oder Live-Stream. Das Ganze nennt sich „Pangea Day“ und man hat einen schönen Trailer dazu gemacht. Es wird unterstützt von TED, einer, wie ich finde, immer großartiger werdenden Organisation. Ihre Rede – den sogenannten TED Wish – kann man sich hier ansehen.
Wer also am 10. Mai von 20.00 bis 24.00 Uhr noch nix vorhat, kann sich da einen schönen Filmeabend machen. Am besten mit ein paar Freunden.
Sweding
Gerade eine neue Kulturtechnik entdeckt. In Anschluß an Michel Gondrys letzten Film „Be Kind Rewind“, in dem Videotheksmitarbeiter aufgrund einer unabsichtlichen Totallöschung ihres Filmreservoirs dieses selbst neu verfilmen, erfreut sich das sogenannte Sweding bei YouTube großer Beliebtheit. Wird auch Zeit, dass diese Idee endlich wieder aufgegriffen wird, schließlich sind seit Jean Pauls Romanfigur, die beschließt, die Bücher, die sie sich nicht leisten kann, prompt selbst zu schreiben, schon einige Jahre vergangen (zu dumm, dass ich nicht mehr weiß, in welchem Roman… ihr?). Sweding ist natürlich etwas einfacher zu bewerkstelligen, dauert nicht so lange und ist zudem wesentlich geselliger.
Vielleicht sind mit dem Sweding (hinter dem ständigen Wiederholen dieses Wortes steckt selbstredend eine pädagogische Idee) auch endlich die leidigen Urheberrechtsfragen gelöst, obwohl ich mir da nicht so sicher bin, könnte doch die GEMA das Summen einer Filmmelodie als so eine Art Aufführung – schlimmer noch als Vorführung, wenn nicht gar Distribution – interpretieren.
Kulturelle Schlußfolgerungen zieht Alex Rühle bei sueddeutsche.de.
Mein vielleicht nicht Lieblingsfilmsweding, aber doch das Sweding meines Lieblingsfilms (resp. doch nicht wirklich meines Lieblingsfilms) ist das hier:
Vierundzwanzigsieben Strapazen! Nein, danke!!
Die New York Times schreibt heute über stressgeplagte Blogger, worauf die Medienlese freundlicherweise hingewiesen hat. Zwei Blogger seien sogar schon an der Überbelastung gestorben, sie hatten einen Herzinfarkt. Ich hielt das ja schon immer für eine der unwahrscheinlichsten Todesarten, also was mich anbelangt. (Ich rechne mit Schlaganfall, also genau genommen mit zwei bis drei Schlaganfällen, wobei dann der letzte aber hoffentlich umgehend letal verläuft.)
Ich werde folglich gut daran tun, etwas sparsamer mit meinen Einlassungen hier umzugehen, etwas kürzer zu treten, also rein energetisch gesehen, den Gürtel etwas enger zu schnallen bzw. keine allzu großen Sprünge mehr zu machen.
(Wegen der Überschrift: Hätte ich hinter „danke“ noch ein Ausrufungszeichen setzen sollen, oder nicht? Oder vielleicht überhaupt nur eins?)
Ich, einer unter vielen aus dem Land der Frühaufsteher
Sachsen-Anhalt.- Erst einmal kurz durchatmen und auf sich wirken lassen: Sachsen-Anhalt.
Spontane Assoziationen? Provinzialität, schlechtes Wetter, Neonazismus, Wurst, Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, soziale Verwahrlosung, Halle-Neustadt, Aschersleben…
Sachsen-Anhalt. Der Inbegriff der Bedeutungslosigkeit. Die negative Utopie schlechthin: Es gibt diesen Ort, aber niemand will hin. Darum spricht auch niemand darüber. Es gibt ihn, aber er existiert nicht. Eine depressive Anderwelt, ein Nibelungenland ohne Kraft, ohne Schatz, ohne Glanz; nur Nebel, Äcker, Ohnmacht, Armut und Ödnis. Ja Ödnis, nicht Tristesse, denn der wäre noch etwas abzugewinnen. Und Sachsen-Anhalt? Dem ist nichts abzugewinnen. Sachsen-Anhalt ist das Nichts im unpathetischsten vorstellbaren Sinne. Sachsen-Anhalt ist die topologische Negation der Hoffnung bzw. die topologische Manifestation der Hoffnungslosigkeit.
„Ich komme aus Sachsen-Anhalt.“ Jedes Mal, wenn ich gefragt werde, woher ich komme, sage ich diesen Satz zugleich mit Scham und Stolz, denn einerseits habe ich Sachsen-Anhalt überlebt, bin Sachsen-Anhalt sogar entkommen, andererseits haftet Sachsen-Anhalt an mir, wird immer an mir haften, ein Fleck, klebrig und unnachgiebig wie schwarzes Pech, eine Schwäche, die jedem schnell die Aussichtslosigkeit meiner Existenz bewusst macht. Da hilft auch keine noch so subtile Ironie, kein noch so gewandtes Bonmot; sofort wird dem Gegenüber klar, wer und was ich bin, d.h. woher ich komme und ein Blitzen in seinen Augen verrät den Ekel, der ihn durchfährt und mit einer Geste schlecht versteckten Mitleids wendet er sich ab und hat mich im selben Moment bereits vergessen.
Um nun – nach diesen zugegebenermaßen kathartisch erlebten, anfänglichen Einlassungen – zum eigentlichen Thema des Artikels zu kommen: Sachen-Anhalt ist sich in den letzten Jahren des eigenen jämmerlichen Nicht-Zustandes bewusst geworden (ein sicher schmerzlicher Prozess, plötzlich erkennen zu müssen, dass es eine Welt gibt, da draußen, die noch nie etwas von Sachsen-Anhalt gehört hat). Und unter irrsinnig vollkommener Verkennung der eigenen Lage und gleichzeitig mit geradezu traumtänzerisch sicherer Ausnutzung des großzügig gegebenen Potentials Ursache unfreiwilliger Komik zu werden, hat Sachsen-Anhalt eine Publicity-Kampagne gestartet, die allein aus einem Satz besteht, der da lautet: „Wir stehen früher auf!“
Ich fand das damals nur folgerichtig und nahm es resignierend zur Kenntnis, die unausweichlichen Lacher auf meine Kosten antizipierend. Sachsen-Anhaltiner (was?) sind nämlich die Einwohner des „Landes der Frühaufsteher“, i.e. also selbst Frühaufsteher, vielen Dank! Dass das Frühaufstehen eine Tugend ist, weiß man. Dass der Frühaufsteher sprichwörtlich bezüglich seiner geistigen Kräfte etwas heller ist als andere, das weiß man nicht mehr ganz so sicher, aber einige wenige werden diese Polysemie wohl noch erkennen. Dass aber Wortspiele dieser Art, sowie jegliche Anpreisung von Tugenden – mag es auch das Frühaufstehen sein – alles andere sind, als sloganfähig (und das schon seit geraumer Zeit nicht, wenn überhaupt jemals), zeigt, dass die Kampagne von Anfang an nicht ganz durchdacht wurde. Vielmehr überzeugt sie den feixenden Rezipienten gewissermaßen augenblicklich vom Gegenteil der beabsichtigten Message und bestätigt damit seine Ressentiments. Ich glaube sogar, dass das strukturell so ungefähr die Kernthese der freudschen Witztheorie ist. Vielleicht ist das aber auch Quatsch.
Abschließend soll noch erwähnt sein, dass ich ursprünglich vorhatte über die aktuelle – und wie ich finde durchaus gelungene – Kampagne zur medialen Sichtbarmachung Sachsen-Anhalts zu schreiben. Da jetzt aber dieser Artikel schon so lang ist geworden ist, will ich das auf ein Andermal verschieben.
Pinocchio Cap. I
Ich habe gestern mal angefangen, Pinocchio zu übersetzen. Aus Übungsgründen und weil es irgendwie auch Spaß macht. Nun gibt es sicher schon hunderte Übersetzungen, kann ich mir zumindest vorstellen. Nichtsdestotrotz hier jetzt das erste Kapitel. Mal sehen, vielleicht wird ja sogar eine größere Sache draus. Achso, als Vorlage habe ich die Einaudi-Ausgabe genommen.
Pinocchios Abenteuer. Die Geschichte einer Holzpuppe. Von Carlo Collodi.
I.
Was geschah, als der Tischlermeister Ciliegia ein Stück Holz fand, dass weinte und lachte wie ein Kind.
Es war einmal…
„Ein König!“ – sagen flugs meine kleinen Leser.
Nein, Kinder, da habt ihr euch geirrt. Es war einmal ein Stück Holz.
Aber nicht ein edles Stück Holz, sondern vielmehr einer jener einfachen Scheite, wie man sie im Winter in die Öfen und Kamine tut, um Feuer zu machen und die Wohnung zu heizen.
Ich weiß nicht wie es geschah, aber Tatsache ist, dass dieses Stück Holz eines schönen Tages in die Werkstatt eines alten Tischlers geriet, der eigentlich Meistr’Antonio hieß. Er wurde aber von allen Meister Ciliegia genannt, weil seine Nasenspitze stets purpurrot war und glänzte, als ob sie gerade poliert worden wäre. Genau wie eine reife Kirsche.
Als Meister Ciliegia das Holzstück erblickte, freute er sich, rieb sich vor Zufriedenheit die Hände und murmelte leise:
„Das Hölzchen taucht zur rechten Zeit auf: Ich will mir ein Tischbein daraus machen.“
Gesagt, getan. Er nahm eine scharfe Axt, um die Rinde abzuschlagen und das Stück zurechtzustutzen. Gerade wollte er den ersten Schlag abwärtssausen lassen, als er, den Arm in die Luft erhoben, plötzlich innehielt: Er hatte ein leises, dünnes Stimmchen gehört, das ihn anflehte:
„Schlag mich nicht zu fest!“
Stellt euch vor, wie es dem guten alten Meister Ciliegia da erging.
Verstört ließ er die Augen im Raum herumkreisen, um zu sehen, woher bloß diese Stimme gekommen sein konnte. Doch er fand niemanden. Er sah unter die Bank. Niemand. Er sah in einen für gewöhnlich immer verschlossenen Schrank. Niemand. Er sah in den Korb mit den Sägespänen. Niemand. Er öffnete sogar die Haustür der Werksatt um einen Blick auf die Straße zu werfen. Niemand. Und also?…
„Ich hab verstanden,“ sagte er nun, lachend und sich die Perücke kratzend, „es ist klar, dass ich mir das Stimmchen nur eingebildet habe. Zurück an die Arbeit.“
Er nahm wieder die Axt zur Hand und schmetterte sie mit einem gehörigen Hieb auf das Holzstück herab.
„Auweh, Du hast mir weh getan!,“ rief das Stimmchen klagend.
Dieses Mal blieb Meister Ciliegia wie angewurzelt stehen. Mit vor Angst aus dem Kopf hervorquellenden Augen, mit weit aufgerissenem Mund und mit heraushängender Zunge, die bis zum Kinn herabbaumelte, sah er aus wie eine Brunnenfratze.
Nachdem er die Sprache wiedererlangt hatte, begann er schlotternd und stotternd zu sagen:
„Aber woher wird dieses Stimmchen gekommen sein, dass Auweh gesagt hat?… Hier ist doch keine Menschenseele. Kann es zufällig sein, dass dieses Stück Holz gelernt hätte wie ein Kind zu weinen und zu lamentieren? Das kann ich nicht glauben. Dieses Hölzchen hier… ist ein Scheit für den Ofen, genau wie all die andern… Um es aufs Feuer zu werfen, um einen Topf Bohnen zu kochen. Und also?… Was, wenn jemand drinnen versteckt wäre? Wenn wirklich jemand drinnen steckt, schlecht für ihn. Jetzt werd’ ich aufräumen!“
Und es sagend, ergriff er das arme Stück Holz mit beiden Händen und machte sich daran es erbarmungslos gegen die Wände des Zimmers zu schleudern.
Hinterher horchte er, ob da nicht das klagende Stimmchen wäre. Er wartete zwei Minuten. Nichts. Fünf Minuten. Nichts. Zehn Minuten. Nichts.
„Ich habe verstanden,“ sagte er dann, lachte gezwungen und raufte sich die Perücke, „es ist klar, dass ich mir dieses Stimmchen, das Auweh gesagt hat, nur eingebildet habe. Zurück an die Arbeit!“
Um sich Mut zu machen, versuchte er ein wenig vor sich hin zu trällern, denn er hatte große Angst. Und da er fürs Erste der Axt überdrüssig war, nahm er jetzt den Hobel zur Hand, um das Stück Holz schön glatt zu hobeln. Aber schon in dem Moment, in dem er einmal hin und her gehobelt hatte, hörte er das wohlbekannte Stimmchen, das ihm lachend zurief:
„Hör auf! Das juckt ja überall!“
Dieses Mal fiel der arme Meister Ciliegia wie tot um. Als er die Augen wieder aufmachte, fand er sich auf dem Fußboden sitzend wieder.
Sein Gesicht schien ganz entstellt, und sogar seine Nasenspitze, die ja eigentlich immer purpurrot war, war von der großen Angst türkis geworden.
Nachsendeantrag
Für alle Sozialnetzwerker, die genug haben von der Datenfeilscherei: ausgeloggt.net.
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