Der Titel besteht aus einem Zitat von Jehane Noujaim, einer jungen Dame, die sich u.a. für den Weltfrieden engagiert. Um diesem ein Stück näher zu kommen, hat sie ein Projekt entwickelt, bei dem wir – also wir Menschen – uns näher kommen sollen. Das wird möglich gemacht, indem wir Menschen, und zwar so viele wie möglich von uns und an so vielen Orten wie möglich, gleichzeitig eine Reihe von Kurzfilmen sehen, über Fernsehen oder Live-Stream. Das Ganze nennt sich „Pangea Day“ und man hat einen schönen Trailer dazu gemacht. Es wird unterstützt von TED, einer, wie ich finde, immer großartiger werdenden Organisation. Ihre Rede – den sogenannten TED Wish – kann man sich hier ansehen.
Wer also am 10. Mai von 20.00 bis 24.00 Uhr noch nix vorhat, kann sich da einen schönen Filmeabend machen. Am besten mit ein paar Freunden.
Jaja. Letzte Woche habe ich hier bei Aldi einen echten Star getroffen. Hier ist Itzehoe und der Star ist gewissermaßen, wenn sicher auch nicht ausschließlich, ein persönlicher.
Itzehoe ist eine Kleinstadt, die einmal innerhalb einer Schleife des Flusses Stör lag, bis sie die Schleife wegmachte und jetzt einfach so an der Stör liegt. Somit aber endlich der fraglos abkömmlichen Idylle kleiner Kanälchen und malerisch drumherum drapierter Häuser entledigt, legte sie sich eine Fußgängerzone des unschlagbaren Klassikers „Niedersachsenklinker, zweistöckig“ zu und außerdem noch zwei weiße Hochhauswohnungsblöcke, die nun, den Kirchturm um ein Mü überragend, die Skyline des Städtchens markieren. Das alles geschah – ich habe jetzt keine Lust nachzusehen – in den sechziger Jahren.
Bei dem Star handelt es sich um einen Bauern aus dem nahe gelegenen Dorf Wacken, das Metallern schon seit Jahren das irdische Walhalla bedeutet und durch den Film „Full Metal Village“ unlängst auch bei einem breiterem Publikum Berühmtheit erlangt hat. Der Film berichtet von den Menschen die in Wacken leben und ein bisschen auch davon, wie sie mit dem Festival zurechtkommen. Diese Menschen sind natürlich, wie alle Menschen, entweder sympathisch oder abstoßend. Das macht sich der Film zunutze, indem er – wie jeder gute Film – eine Opposition von Gut und Böse ins Spiel bringt, die zwei Bauern inkorporieren dürfen.
Der böse Bauer ist das was man einen „Macher“ nennt, wahlweise in Politikerkreisen auch „Bonze“ oder in Immobilienmaklerkreisen „Hai“ genannt. Er kassiert aberwitzige Summen an EU-Fördergeldern, verdient sich eine goldene Nase am Festival, sieht fies aus, fährt Mercedes bzw. affigerweise Trike, raucht Camel und behandelt seine Frau schlecht, ja, prahlt sogar grinsend vor laufender Kamera damit, dass er eine Geliebte habe.
Der gute Bauer hat einen kleinen, schiefen Hof mit vielen Katzen, sieht unfassbar nett aus, fährt Fahrrad oder einen niedlichen, alten Trecker, raucht Selbstgedrehte, ist nicht sonderlich reich und liebt seine Frau (und sie ihn) wie am Tag ihrer Verlobung.
Beide haben aber auch etwas gemeinsam, sie sind beide irrsinnig cool.
Nun, den guten Bauern, also meinen persönlichen Star, habe ich letzte Woche bei Aldi getroffen, hier in Itzehoe. Ich lüge, wenn ich sage, dass er unschlüssig eine Ecke Parmesankäse in der Hand hielt und auf das Etikett starrte. Ich lüge, wenn ich sage, dass er eine Mütze mit der Aufschrift „Pepsi“ auf dem Kopf trug. Ich lüge aber nicht, wenn ich sage, dass er irgendetwas unschlüssig in der Hand hielt und eine Mütze mit einer Aufschrift auf dem Kopf trug. Ich kann mich nämlich nicht mehr genau erinnern, weil mir nämlich erst beim Einpacken auf dem Parkplatz endlich eingefallen ist, woher mir dieser Mann bekannt vorkam und weil ich daher vorher nicht so genau hingesehen habe, was ich ja ohnehin versuche zu vermeiden, also das Anstarren von Leuten.
Und hier ist er, der gute Bauer, in einer der rührendsten Szenen der Filmgeschichte:
Gespenstische Szenen heute Abend über dem Alexanderplatz: Vom Dach des Plattenbaus neben dem Roten Rathaus ließen sich immer wieder Schwärme von Nebelkrähen herab um kreischend Kreise zu ziehen, schwarzen Wolken gleich, im weiten Bogen zum Neptunbrunnen, zum Skelett des Palasts und zurück. Mit einem Mal schienen sich die Schwärme zu vereinen. In einer ausufernden, majestätischen Woge fluteten hunderte, wenn nicht tausende Krähen auf den Fernsehturm zu und wie eine brandende Welle teilte sich der Schwarm an der steinernen Stelze des Turms, dessen Spitze im milchigem Dunkel des Himmels verschwand. Die Menschen blieben tatsächlich stehen, sahen auf und zeigten gen Himmel. Es war beängstigend.
Ein weiteres Glied in einer Kette von Zeichen, das bedeuten will, dass das Unheil nahe ist. Doch nicht aus dem Meer droht es, wie bestselleresk verbreitet wurde… Woher dann? Das liegt schon seit Jahrzehnten auf der Hand, insofern:
Irgendwo, vermutlich beim Perlentaucher, stand neulich, dass in einem Artikel des New Yorker ein Vergleich der beiden massenwirksamen, außerparlamtarischen Spass-Oppositionellen Beppe Grillo und Michael Moore, stattfinden würde. Über die Aussage, dass Grillo der italienische Moore sei, im ersten Absatz des Artikels, ging das dann leider nicht hinaus.
Nichtsdestotrotz hat Tom Mueller ein sehr gutes Portrait Grillos und des derzeitigen antipolitischen Italiens abgeliefert:Beppe’s Inferno.
Darin ein paar rührende Worte über ein rührend-wahnsinniges sardisches Ehepaar, dass durch wuchernde Pachtkosten beinahe auseinandergerissen wurde und bei einer Veranstaltung Grillos plötzlich im Mittelpunkt stand:
Maria Pau, a portly farmer in her sixties, recountedhow her husband had slowly grown deranged as their depts mounted. Rather than tell her how dire their situation was, he had demanded a divorce, and had even reported her to the police for attempting to poison him. During her speech, she turned twice to her husband, who had had a stroke and sat in the audience wheelchair. „Don’t cry, Salvatore!“ she told him. Salvatore, his face wet with tears, nodded and tried to smile.
Achso: Pinocchio kommt bald wieder, geht nur gerade zeitlich nicht!
Vor dem Institut in der Dorotheenstraße saßen heute Nebelkrähen auf der Wiese. Unter ihnen – in Kuschelnähe – Tauben. Das hat ein gewisses Unbehagen bei mir hervorgerufen.
Wenn ich hier am Schreibtisch sitze und aus dem Fenster sehe, sehe ich eine maulwurfdurchwühlte, grüne Wiese auf der grundsätzlich ca. 20 Rabenkrähen sitzen bzw. herumtrapsen (das Wort existiert!).
Rabenkrähen sind Vögel, die sich nicht entscheiden können. Sie sehen einerseits aus wie Krähen, andererseits könnte man sie auch für Raben halten, ein Umstand, der zur Namensgebung sicherlich beigetragen haben dürfte. Wikipedia nennt diese unentschiedenen Tiere allerdings gehässig Aaskrähen. Ich kann dazu nur sagen, dass die, die hier vor dem Fenster herumstapfen und -zockeln, von mir noch nie beim Aasfressen beobachtet wurden. Zumindest kam ich nie auf den Gedanken, dass sie das gerade tun könnten (die alltäglichen Abgründe).
Damit ist es nicht getan: Nordöstlich der Elbe, wo ich mich gerade aufhalte, existiert eine Untergattung der Aas- bzw. Rabenkrähe, die als Nebelkrähe bezeichnet wird und sich durch einen eher grauen Körper mit schwarzem Kopf, Schwanzgefieder und ebenfalls schwarzen Flügeln auszeichnet. – Ja, das kann ich bestätigen, so sehen die, die vor dem Fenster hier so rein- und raussegeln, rumschlurren und – fletzen tatsächlich aus, also Nebelkrähen sind das, vielen Dank.
Doch das bisschen Konsequenz ist offenbar schon eine Zumutung. Die eben noch sauber unterschiedenen Raben- und Nebelkrähen sind nämlich imstande fortpflanzungsfähige Hybridformen hervorzubringen, die, um der Verwirrung ja keinen Abbruch zu tun, Merkmale der Gefiederfärbung (das ist ja wohl ein Euphemismus) beider Elternteile vorzuweisen haben.
Der soeben noch geneigte Naturbeobachter stellt sein gerade erst entdecktes Steckenpferd angewidert in die Ecke bei so viel Flatterhaftigkeit.
…zumindest musikalisch. Draußen regnete es aber. Das Buch hatten sie dann auch nicht. Dafür gab’s zuhause Kokossuppe. Scharf. Mit Huhn. Und die gute Nachricht, dass im bel Paese nicht gleich wieder gewählt wird.
Ein guter Anlaß für eine Liste:
Der Stiefel, DasLandwodieZitronenblühen, früher mal Welschland, heute wohl eher nur noch Toskana…
Da diese Liste so kurz ist, noch eine längere:
Democratici di Sinistra, La Margherita, Partito della Rifondazione Comunista, Partito dei Comunisti Italiani, Italia dei Valori, Socialisti Democratici Italiani, Federazione dei Verdi, Popolari-UDEUR, Movimento Repubblicani Europei…
Die erste Liste beinhaltet deutschsprachige Synonyme für Italien, sie ist unvollständig. Die zweite Liste zählt einige der Gründungsparteien der Koalition L’Unioneauf, die später und bis vor kurzem als Regierung Prodi II (ja, es gab da schon mal eine) die Macht in Italien innehatte. Auch diese Liste ist unvollständig.
Das ist eine gar nicht so einfach zu beantwortende Frage. Sagen wir, der Blog ist der Versuch sie zu beantworten. Sollte das nicht gehen, muss dann über Alternativen nachgedacht werden.
Ganz grundsätzlich wäre – von hier aus, vorausschauend, orakelnd meinetwegen – zu sagen, dass das Festgetretene, Vergessene des alltägichen Gehens (siehe Header) Thema sein wird. Es wird zur Sprache kommen, was einem – und in diesem Fall ja wohl mir (dieser doch etwas hybride Subjektivismus ist gewöhnugsbedürftig und vorerst noch suspekt) – beim draußen Rumlaufen vor die Nase fällt, oder in den Kopf. – Um diesem ganzen krausen Gedenke und Beobachtungen Angestelle mal eine Chance zu geben.
Dass ich nicht der Erste bin, der das vorhat oder macht, ist mir bewußt.
Mal sehen, anläßlich der gestrigen Party, die von ein Paar senatori in Italien gefeiert wurde, könnte ich mich hier z.B. auch künstlich aufregen, vielleicht nicht unbedingt künstlich, vielleicht noch nicht mal aufregen. Möglicherweise ja ekeln. Wenn ich den guten Champagner sehe und die Mortadellaläppchen, eventuell sogar mitfeiern. Heute passiert das alles aber nicht, könnte aber in Zukunft durchaus vorkommen. Insofern es von Interesse zu sein scheint.