Ganz so schlimm ist das ja jetzt nicht in Italien. Berlusconi ist ein alter Mann und hat so ziemlich alle privaten Interessen (z.B. nicht in das Gefängnis gehen zu müssen) bereits in seiner letzten Legislaturperiode (übrigens eine der wenigen stabilen seit der Existenz des italienischen Staates) durchgesetzt. Es bestehen also Chancen, dass er mal was für sein Land tut. Verhandlungsbereitschaft mit der Opposition wurde bereits signalisiert.
Weiterhin kann man in Bezug auf Veltronis Niederlage kaum von einer solchen sprechen: Eine neu gegründete (na gut: fusionierte) Partei, also der Partito Democratico kommt in Senat und Kammer prompt auf 34 Prozent? Das ist doch kein schlechtes Ergebnis. Zumal, wenn man bedenkt, dass Prodis Bündnis von 2006 gerade einmal 31 Prozent einfahren konnte.
Als vorletzter positiver Punkt sei genannt, dass die Wahlbeteiligung mit rund 80 % nicht so gering ausgefallen ist, wie befürchtet. Die antipolitica, also der Vertrauensverlust der Italiener in die politische „Kaste“, ist zwar sehr groß, schlägt doch aber nicht in Boykott um.
Schließlich: Die kleinen Parteien sind weg! Keine Kommunisten mehr und keine Neofaschisten mehr im Parlament. Auch gewissermaßen special interest-Gruppierungen wurden nicht mehr gewählt, was allerdings auch die italienischen Grünen betrifft. Da hat ein Umdenken stattgefunden (natürlich auch schon zuvor bei den Parteien selbst, die sich neu strukturierten). Italien hat aktuell nur noch fünf Parteien im Parlament: Berlusconis rechts-konservatives Bündnis „Volk der Freiheit“; die rechtere, konservativere und förderalistische Lega Nord Bossis; die Christdemokraten Casinis, die Wertepartei des Anti-Mafia-Richters Di Pietro und schließlich die mitte-links orientierte „Demokratische Partei“ Veltronis.
Es gibt ntürlich auch schlechte Nachrichten: Vor allem wohl die sehr hohen Wahlergebnisse für die schon seperatistisch zu nennende, zudem deutlich fremdenfeindliche Lega Nord, die für ganz Italien auf über 8 Prozent kommen konnte, aber in manchen Regionen des Nordens, also etwa in Venetien oder im Piemont beinahe stärkste Partei wurde, mit bis zu 30 Prozent.
Eine andere schlechte Nachricht ist aber, wie wenig Italien noch für deutschen Medien von Interesse ist. Kaum Analysen oder wenigstens etwas kritischere Auseinandersetzungen. Hauptsächlich lief es darauf hinaus, dass man sich wunderte, wie dieser Berlusconi wieder an die Macht kommen konnte, ob die Italiener verrückt seien oder was auch immer. Dabei ist der Sieg Berlusconis alles andere als überraschend. Der Ausgang im Ganzen ist aber eine Überraschung, ja und sogar eine gute.
Aufgefallen ist das vielleicht gerade einmal Dirk Schümer von der FAZ.
Hier noch ein Link zu den Zahlen des offiziellen Endergebnisses beim Corriere.
So: Krank bin ich aber immer noch.
Und: Die letzten Einträge haben mich stark darüber nachdenken lassen, ob ich mir nicht einen Twitter-Account zulegen sollte. Habt ihr denn sowas?
Zuletzt: Ich huste gerade… Jetzt schnaube ich…